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14) van Duin "Nol" - Para-Funker d. "BBO" London.

Der Niederlaender Nol van Duin diente langjaerig in der niederlaendischen Marine und war auf verschiedenen Kriegschiffen und U-Booten in diesem Kriege. Er komt aus der Umgebung von Noordwijk a.S. In England ist er mit einer Englaenderin verheiratet, die eine art von "Nachrichtenhelferin" beim BBO oder BI in London taetig war. Sie sass auf der Funkempfangsanlage wo alle Funksprueche in England einkamen, und war vielen der von England eingesezten Agenten bekannt.
"Nol" van Duin wurde etwa im Juli 1944 als Funker fuer BBO-London in Niederland gedropt. Er kam zusammen mit den Niederlaendern: "Bert" de Goede aus Ede, Parallelweg Nr.? und "Koos" -X- (vermutl. Mulholland od. aehnl.)
"Bert" und "Koos" sind ehemalige Angehoeriger der Seefahrtschule Amsterdam (?) und gingen etwa 1943 illegal nach England.
Waehrend "Bert" Verbindungsoffizier zum "LKP" war, war "Koos" Verbindungsoffzier zum "RVV" Beide hatten ihren Sitz in Rotterdam Die dropping fand statt in der Umgebung von Epe / Gldl.
"Nol" war der Funker fuer "Bert" und "Koos" Unmittelbar nach der Landung begaben sich die 3 Agenten in die Wohnung der Eltern des Bert de Goede in Ede. Sicherheitshalber, um nicht zu viel Aufsehen bei den Nachbarn zu erregen, wurde der Funker "Nol" bei einer Freundin des "Bert" untergebracht und zwar bei der Niederlaenderin Dini Gaazenbeek, Ede, Ketelstr. 12
"Koos" fuhr als erster nach Rotterdam, um seine Verbindungen dort aufzunehmen. Als er Unterkunft fuer "Bert" und "Nol" in Rotterdam, Centuurlaan nr. ? (21) gefunden hatte, folgten ihm "Bert" und spaeter auch "Nol". Da sie in Rotterdam eine vertrauenswuerdige Kurierin gebrauchten und Dini Gaazenbeek bereits eingeweiht worden war, die auch bis dahin nachweislich jahrelang die Verbreitung der Schrift "Je Maintiendrai" ueber ganz Gelderland inne hatte, wurde diese gefragt, ob sie Stelle als Kurierin uebernehmen wolle. Sie nahm diese gern an. Sie ging mit "Nol" zusammen oder folgte diesem in einigen Tagen nach Rotterdam.


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Etwa im Oktober-November 1944 wurde der Sender des "Nol" im Hause der Familie Elsinga in Rotterdam, Mathenesserweg 119 durch einen Wehrmachtpeiltrupp angepeilt under Funder "Nol" Festgenommen. Mit ihm zusammen wurden festgenommen Dini Gaazenbeek, Kurierin und Folkert Elsinga der in dem gleichen elterlichen Hause eine PB Faelscher-Centrale unterhielt. Bei der Durchsuchung der Personen und der Wohnung durch die Peiltruppe - Ich war zu der Zeit noch nicht anwesend- versuchte Dini Gaazenbeek oder der Funker "Nol" ein kleines Zettelchen mit Adressen zu vernichten oder fortzuwerfen. Es wurde aber gefunden. Auf diesem Zettel befanden sich die Nummern der uebrigen Sender, die neuen Kontaktadressen usw. Er enthielt jedenfalls wichtige Adressen und Notizen, Anhand dieses Zettel war es dem Trupp sofort klar dass weitere Sendegeraete arbeiten mussten. "Nol" und "Dini" lehnten alles ab, und wollten den Inhalt des Zettels nicht kennen.
Erst als Ich kam, um die Festgenommen zum Verhoer zu uebernehmen, erklaerten sie sich bereits darueber Aussagen zu machen. Ich verplichtete mich von den Verantwortlichen der uebrigen Sendewohnungen niemanden festzunehmen. Bei diesen Personen handelte es sich um die Niederlaender:
1) Familie Steffen, Rotterdam, Staatenweg 124
2) Bauer Bakker in Overschie
3) Adri Moerman, Rotterdam, Rauenhoffpl. 4a
Fuer den zu 3) genannten Moerman traf diese meine Versicherung nicht zu, weil ich Moerman bereits von frueher herkannte and wusste dass er sich als Funker des Binnenlandschen Netzes des RVV in Rotterdam betaetigte. Er sollte fuer RVV ein Sendenetz ueber ganz Holland anlegen was auch bereits fertig war. Moerman wurde durch den Sachearbeiter SS-Unterstuf. Wilfert bereits deswegen gesucht. "Dini" und "Nol" waren auch eigentuemlicher weise nicht ueberascht darueber, als Ich sagte, dass der letzte auf dem Zettel genannte Adrie Moerman in meiner Verplichtung nicht einbegriffen sei. Als Ich naemlich den Zettel sah und las "Adrie Moerman" R'pl.4a war es mir sofort klar dass es sich um den gleichen handelte den ich bereits 1941 festgenommen hatte, ihn jedoch ...


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... entlassen musste, weil ich ihn damals eine Spi-Taetigkeit (Lieferung von militaer Nachrichten) nicht voll nachweisen konnte. Ich versprach ihr aber dass ich selbst von "Adrie" nichts wolle weil seine Wohnung als Senderstelle gedient hatte.
Als ich am folgenden Tage nach Rotterdam fuhr um die Sendegeraete von den einzelnen Sendestellen abzuholen erkundigte ich mich erst bei "Nol" und "Tini" (Dini) wo die geraete genau verstecht seien was mir auch angegeben wurde. Ich stellte "Tini" anheim selbst mitzufahren um mit den Leuten zu sprechen damit sie saehen dass sie wirklich keine Angst zu haben brauchten. Zuerst fuhren wir zu der Sendestelle Familie Steffen, Rotterdam, Staatenweg 124, wo nicht nur Senderstelle war sondern auch der Funker "Nol" und seine Kurierin "Dini" wohnten. Es war allein die Ehefrau zu Hause. Der Ehemann der vermutlich schon von der Festnahme des "Nol" gehoert hatte war anscheind schon "getaucht". Ich holte das Funkgeraet aus dem Fussboden waehrend "Tini" die Frau beruhigte uns ihr sagte dass sie weitere Nachteile nicht haben wuerde. Wir tranken noch gemeinsam Kaffee und verabschiedeten uns. Die Frau konnte all dieses nicht begreifen denn sie wahr sehr nervoes. Von einer weiteren Durch suchung der Wohnung habe ich Abstand genommen zumal mir die Kurierin versicherte dass sich "Besonderes" nicht mehr in der Wohnung befaende. ich verwarnte die Frau zum schluss machte sie auf die Schwere ihrer Handlungen aufmerksam und betonte dass ihr mann - soweit er nicht noch andere Sachen auf seinem Gewissen habe- es nicht noetig habe unterzutauchen.
Anschlissend fuhren wir zu dem Bauern Bakker in Overschie wo die 3 Funkstelle war und sich ein S-Geraet befinden musste. Wir konnten mit unserem Auto nicht bis ganz vors Haus fahren weil der Zugangsweg versperrt war. So konnte und der Bauer schon aus einer Entfernung von ueber 500 m sehen. "Tini" blieb im Wagen waehrend SS-Unterstuf. Bauer und ich den Hof aufsuchten. Wir begaben uns in das uns angegebene Senderzimmer nach der Strasse hin gelegen. Das Sendegeraet war jedoch verschwunden. es standen allein noch einige Akkus dort und die Zuleitungen waren noch vorhanden. Wir erklaerten dem Bauern und seine etwa 35 Jahre alten Tochter dass wir von ihm weiter nichts wollten. Er solle allein das Sendegeraet herausgeben. Beide wollten von solch einem geraet nichts wissen und auch nach der personsbeschreibung weder der Funker noch die Kurierin kennen. Nach einige Zeit erklaerte sich die Tochter bereit das Geraet auf dem Hausboden zu suchen. Sie kam jedoch nicht zurueck und war nach hinten heraus geflohen. Wir machten jetzt den Bauern darauf aufmerksam welche Gefahr er auf sich geladen habe, er solle vernuenftig sein anderenfalls wir seinen Hof nieder brennen wuerden. Wir wollten ihn Angst einjagen. Er liess sich aber auf nichts ein. Alles ...


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... unser Suchen war bisher wargeblich gewesen. In der Umgebung des Bauernhauses arbeiteten etwa 30 Rotterdammer Arbeiter. Sie verstaerkten den Deich. Wir wendeten uns an diese und setzten eine Belohnung von 200 Gulden aus fuer den der dass Sendegeraet auf dem Heuboden finden wuerde. Die Arbeiter gingen sofort ans Werk. Es war viel arbeit denn der ganze Boden lag bis unter das Dach voll mit Heu. Dieses musste alles erst hinausgeworfen und spaeter wieder an den alten Platz. Um den noetigen Nachdrueck dahinter zu setzen dass der Bauer auch wirklich glaubte dass wir seinen Hof abbrennen wuerden falls er keine Angaben machen wuerde liessen wir das Vieh, einige Kuehe und Schweine, auf der Nachbarhof bringen. Das erschuetterte ihn aber alles nicht. Er bat sich allein die Bibel aus und machte eine Bemerkung die etwa besagte dass er damit das Hauptsaechste gerettet habe.
Nach etwa 2 Stunden Suchen erscholl auf einmal ein "Hurrah" aus dem Bauernhof. Ein Arbeiter hatte den Koffer mit dem Sendegeraet gefunden. Mitten im Heu fasst auf dem Boden hatte es gestanden. Ohne Abladen des Heues waere es nicht gefunden worden. Die Arbeiter hatten naturlich auch viele Lebensmittel vorraete unter dem Heu und sonst wo versteckt vorgefunden u.a. auch eine Blechdose mit Silbergeld. Wir zahlten daraufhin den Finder die 200 oder 250 Gulden in Papier und Silber aus. Die restliche ca 30 Arbeiter erhielten jeder auch ca 15-20 Fl. in Silber sodass dieses restlos damit auf ging. Nun ging ein allgemeines Geschimpfe der "hungrigen" Arbeiterauf den Bauern los. Man zeigte auf die Lbelsmittel. Man zeigte auf ein Kalb welches "schwarz" geschlachtet war und in einem grossen Kessel gekocht wurde. Man sagte dass es der gierigste Bauer aus der Umgebung sei der fuer Gold uns Silber verkaufen wuerde. SS-Unterstuf. Bauer als Leiter des Kommandos gab daraufhin den Arbeiter die Erlaubnis sich alles an Lebensmittel aus dem Hof zu holen. Dass damit auch manches Waeschestuck verschwand war klar. Wir hatten kein Zeit mehr und beauftragten einen Feldwebel aus der nahegelegenen Flakstellung dass er fuer den Rest sorgen sollte. Dem Bauern sagten wir dass er nun sein Vieh wiederholen koenne. Von einer Festnahme und vom Abbrennen des Hofes wuerden wir keinen Gebrauch machen. da er durch den Verlust seiner Vorraete bereits genuegend geschaedigt sei. Von dem Augenblick an wo wir fortfuhren haben wir den Arbeitern verboten das Haus noch zu betreten. Der Bauer war wieder Herr ueber seinen Hof. Der Feldwebel stand ihm zur Seite.
Somit hatten wir insgesamt das 3. Sendegeraet. Am gleichen Tage noch suchten wir die Wohung des Mitarbeiters Adrie Moerman, Rotterdam, Rauwenhoffpl. 4a auf, wo sich auch ein Sendegeraet unter dem Fussboden ...



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... befand. Bei diesem Kommando welche diese Wohnung aufsuchte befand sich auch u.a. der Unterstuf. Wilfert, der nach Adrie Moerman fahndete. Es waren allein die beide Schwestern des "Adrie" zu Hause. Das Sendegeraet war vorhanden. Es war das 4. das wir vorgefunden hatten. Der Unterstuff. Wilfert blieb mit 2 Soldaten in der Wohnung waehrend wir uns entfernten. Sie warteten auf die Rueckkehr des "Adrie". nach etwa 2 Stunden erschien dieser mit seiner Kurierin und mitarbeiterin Marijke Elsinga der Tochter des Hause wo der Funker "Nol" festgenommen worden war.
"Dini" war besonderg ueber die Festnahmen dieser beiden erstaunt weil sie erwartet hatte dass sie bestimmt "getaucht seien. Zumal "Marijke" einige Tagen vorher von draussen den ganzen Vorgang in ihrer elterlichen Wohnung beobachter hatte".
Bisher waren also insgesamt festgenommen worden:

a) Funker "Nol" van Duin und Kurierin "Dini" Gaazenbeek

b) Zu Wilferts Laten:

"Adrie" Moerman und "Marijke" Elsinga

c) Ohne Sacharbeiter war bisher: "Folkert" Elsinga, fuer den der Sturmscharff. Brueckner als sachbearbeiter angewiesen wurde, der jedoch in diesen Tage nicht anwesend war.

Waehrend der Vernehmungen des Funkers van Duin "Nol" und der Kurierin Gaazenbeek, richtete sich meine Interesse besonders auf die beiden Organ. "Bert" und "Koos".
Von "Koos" erzaehle man allgemein dass er seit dem Zeitpunkt der "Razzia" in Rotterdam spurlos verschwunden sei. Er sei vermutlich nach Nordbrabant gegangen wenn es ihm gelungen sein sollte sich vor der "Razzia" zu verbergen. Ich wusste aber seine fruehere Wohnung in Rotterdam. Diese war mit auf den beim Funker vorgefundenen schriftlichen Unterlagen gefunden worden.
Ich hatte mit "Nol" und "Dini" mehrfach politische Gespraeche wobei ich betonte dass es uassehen wuerde als bekomme der kommunstisch orientierte "RVV" unter der "Illegalitaet" die Ueberhand. Ich wies daraufhin dass dieser ueber die meisten Waffen verfuegen wuerde usw. Beide waren sie mit diesem Umstand nicht zufrieden, Sie erzaehlten auch, wie ...


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... "Bert" ihr Chef dem RVV politisch gegenueberstand. Er war danach vollkommen unzufrieden aucg gegen gewisse Kreise des LKP in Rotterdam. Ich zog jetzt in Erwaegung dass "Bert" fuer sie beide und die ueberigen Agenten und mitarbeiter viel tun kenne wenn er sich mit mir ueber verschiedene Punkte aussprechen wuerde. Ich liess die Moeglichkeit offen dass "Bert" durch Einstellung seiner Arbeit und Auslieferung seiner gedropten Waffen und vor allem die der "RVV" evtl die Freilassung der Festgenommenen Agenten und Mitarbeiter bewirken koenne. Diese Loesung - falls eine solche zustande kommen wuerde - sahen beide fuer : ausgezeichnet" an. Als erstes galt es aber dass ich einmal mit "Bert" persoenlich sprechen koennte. Ich gab die Versicherung dass ich nicht beabsichtige etwa "Bert" festzunehmen. Da ich auf den vorgefundenen schriftlichen Unterlagen auch im besitz der meisten Kontaktadressen und Wohnadressen war, war eine Moeglichkeit gegeben mit "Bert" in Kontakt zu kommen. Unter meiner Zusicherung dass ich "Bert" bei einen Treff nicht festnehemen wuerde, versprachen "Nol" und "Tini" ihre mithilfe. Der Funker "Nol" schrieb einen Brief and "Bert" den "Dini" an die Kontakt adresse: Filiale der Beckerei v.d. Sterre, Rotterdam, Str..? brachte. "Nol" bat um eine dringende Aussprache mit "Bert". Dieser sollte den Zeitpunkt des Treffs in Rotterdam angeben. Ich suchte persoenlich mit "Dini" diese Beckerei auf und sah den "Mitarbeiter". Am gleichen Tage -nachmittags- hollte "Dini" in meiner Begleitung die Antwort des "Bert" ab, die etwa Lautete: "Treffpunkt heute 4 uhr in Wohnung: Rotterdam, Str. ? -wo "Koos" bisher wohnte". Zu der festgesetzten Zeit befand ich mich mit Bauer in der Wohnung. "Bert" erschien jedoch nicht. Ich nehme an dass er voher gewarnt worden ist oder er hat uns ins Haus gehen sehen und daher der Sache nicht mehr getraut. Ich kann an dieser Stelle versichern dass ich "Bert" nicht festgenommen haben wuerde wenn er erschienen waere. Ich haette mich sportiv an den Vereinbahrungen gehalten die zwischen "Nol" und "Tini" einerseits und mir andererseits geschlossenworden waren. Ich wollte vorerst nicht mehr als mit ihm ueber die Gesamtsituation sprechen. er sollte mir seine Ansicht dazu sagen. und ich glaube bestimmt dass wir zu einem fuer beide Teile guenstiges Resultat gekommen waeren. Mir ging es hauptsaechlich darum die Sprenstoff -u. Waffendroppingen der "RVV" und "LKP" zu stoppen oder teilweise zu stoppen und die bereits im Lande befindlichen Vorraete sicher zu stellen. Ich weiss auch dass meine Chef sich mit meinem Vorhaben einverstanden erklaert ...


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... haben wuerden. Bisher war mein Vorhaben mein eigene Geheimnis geblieben. Fuer mich war der Ausgang des krieges bereits entschieden. Ich wollte damit allein noch versuchen den "linksorientierten Illegalen" die m.E.  fuer die Besatzungsmacht und die deutschfreundlich Bevoelkerung am gefaehrlichsten zu sein schien noch moeglichst viel Waffen nehmen. Ich merkte dass der Zusammenbruch Deutschlands nur noch eine Frage von einigen Monaten sein konnte- wie es dann auch war- Holland drohte abgeschnitten zu wereden. Wenn man in dem Falle diesen zum Teil ungeordneten und wild handelnden Widerstandsgruppen eine umfangreiche Menge von Waffen und Geraete nehmen konnte, hoffte ich, den Deutschen und auch den fuer Ruhe und Ordnung eintertenden niederlaendschen Kreisen einen Dienst erwiesen zu haben. Nach unserer allgemeinen Meining verfuegten naehmlich "RVV 2 und "LKP" ueber die vorhandenen Waffen - RVV doppelt so viel wie LKP waehrend der "OD" so gut wie keine oder nur wehrwenige hatten. Das will sagen, dass wir den "OD" tatsaechlich - im gegensatz zu frueheren Zeit erfuer diejenige der Widerstandsgruppen ansahen die fuer Ruhe und Ordnung im Lande war und sich gegen eine "niederl. Bartholomaunacht" einsetzte. Die Festnahme des Para-Organ. "Bert" wuerde meinen ganzen Plan zerschlagen haben, denn ich konnte nur etwas erreichen auf diesem Gebiete, wenn ich die ehrliche Mithilfe des "Bert" hatte. Und ehrlich und fuer beide Teile zum Nutzen haette es nur sein koennen wenn "Bert" frei blieb und frei handeln konnte.
Meine dieszueglichen mehr privaten Plaene waren mit dem Nichterscheinen "Berts" in erster Instanz in Wasser gefallen, doch gab ich die versuche nicht auf. Als ich ins gefaengnis zurueckkam und fuehlte dass "Nol" und "Tini" durch Ausblieben der "Bert" ehrlich enttauscht waren erbot sich die Kurierin "Tini" persoenlich nach Rotterdam fahren zu wollen um "Bert" audzusuchen. wie wollte alles mit ihm besprechen. Irgendwelche Auftraege besonderer Art gab ich ihr nicht mit. Sie sollte allein "Bert" fragen ob er bereit sei sich mit mir an einem durch ihn zu bestimmen Ort mit seiner ausreichenden Sicherheit versehen zu treffen zum Zweck einer Aussprache. Sie wollte sich direkt an ihn wenden ohne ueber Mittelpersonen zu gehen. Sie war Naehmlich der Meinung dass "Bert" es von sich aus wohl tun wuerde, doch muesse die Sache scheitern wenn der LKP in Rotterdam eingeschaltet werden wuerde oder davon Kenntnis bekommen wuerde.
So kam es dann dass ich die Kurierin "Dini" Gaazenbeek etwa kurz vor Weihnachten 1944 nach Rotterdam ohne Kenntnis meiner Vorgesetzten entliess. Ich sagte ihn noch dass sie moeglichst in 14 Tagen ...


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... zurueckgekehrt sein sollte oder mich wenigstens von dem positiven oder negativen Ergebnis fernmuendlich in Kenntnis setzen. Sie sollte "Bert" ausrichten dass ich bereit sei, ihn ueberall und zu jeder Stunde zu erwarten. Und dass er sich so sichern koenne wie er es beliebe. Ich wuerde auf jeden Fall in Civil - allein und ohne Waffen- kommen. Ich ahnte an der Zeit noch nicht, dass ich mich beim Zustandekommen dieses Treffs an gesichte meines so weitgehenden sportiven Optimismusses "mein eigenes Grag gegraben haben wuerde". Ich wurde bald eines Besseren belehrt. "Dini"liese nichts von sich hoeren und kehrte auch nicht zurueck. Ich habe nicht einen Augenblick an der Ehrlichkeit "Dini" gezweifelt und wuesste sofort dass ein Unglueck geschehen sei dass die ganze Angelegenheit schief gelaufen war und nur sum Nachteil "Dinis". "Dini" musste durch den LKP in Rotterdam in Unkenntnis der Sachlage festgenommenworden sein. Sie hatte "Bert" anscheinend nicht direkt treffen koennen. Wie immer hielt ich mich auch jetzt an meine Zusicherungen die Kontaktadressen

1) Baeckerei v.d. Sterre
2) Blumenhandlung -X- Rotterdam, Str?
3) und einige Wohnadressen, wie z.B. Centuurlaan Nr.?, der ehem. Wohnung "Koos" und verschiedene andere.

nicht anzutasten und den Leute keine Schwerigkeiten zu machen.

Einige Wochen spaeter -nach der Peilung und Festnahme des Funkers Barmé und anhand des bei diesem vorgefundenen Schriftmaterial - fiel die SIPO Rotterdam in das Hauptquartier des LKP, Rotterdam, Oude Dijk Nr? Hier wurde ein Koffer sichergestellt welcher das Archiv des LKP enthielt. Unter diesen Schriftsachen befanden sich die schriftliche Vernehmung der Dini Gaazenbeek durch den LKP und das schriftlich ausgefertigte Urteil ueber Dini Gaazenbeek. Das Urteil Lautete etwa wie folgt:

L.K.P. Rotterdam                                                   Rotterdam, am ? Jan.
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Heden werd wegens verraad en daardoor ontstane Slachtoffers geliquideers:

                                    DINI GAAZENBEEK
                                    uit Ede, Ketelstr. 12

U wordt verzocht de ouders in kennis te stellen.

                                                                             De Commandant

Aan Mevr. Steffen,
Rotterdam, Staatenweg 124.


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Das Verhoer von "Dini" Gaazenbeek wurde gefuehrt durch einen LKP-Leiter in Rotterdam der das Verhoer mit D-2 unterzeichnete. Es war darin zum Ausdruck gebracht dass das Verhoer durchgefuehrt worden war durch "Bert" d.i. Bert de Goede aus Ede und dem D-2 der LKP-Rotterdam. Eine Durchschrift des Urteil wurde durch die L.K.P. Rotterdam der Familie Steffen zugeschickt die die Eltern der Dini Gaazenbeek in Ede in Kenntnis stellen sollte. An dieser Adresse hatte "Dini" in Rotterdam illegal gewohnt wo ich auch mit ihr war und ein Sendegeraet abholte.
Zu der Urteilausfertigung muss ich sagen dass der Inhalt vollkommen falsch ist denn

1) hat Dini Gaazenbeek nichts verraten.
2) sind keine Schlachtopfer gefallen.

und Wie ich bereits vorher betonte wurde keiner der Sendewohnungen oder illegalen Wohnungen oder Kontaktadressen festgenommen. Diese Adressen waren auf dem vorgefunden Zettel verzeichnet, den "Dini" im Augenblick der Festnahme zu vernichten versuchte. Was ihr aber nicht glueckte. Wenn sie mit mir "auf stap" gewesen ist, dann nur nach Rotterdam

1) um die Sender in den Wohnung anzuweisen damit ich beim suchen nichts unmoetigen Schaden in den Wohnungen
    anzirichten brauchte und weiter um die betr. Personen zu beruhigen
2) um mit "Bert" die Verbindung zu mir herzustellen.

Sie hat in guten Glauben und im Vertrauen auf mich gehandelt. Sie wollte fuer "Nol" und die anderen Agenten in Scheveningen etwas tun und war der festen Ueberzeugung dass sich dieses nicht gegen Niederlaender oder gegen Niederland richtete.
Ob es zum Vorteil oder Nachteil Niederlands gewesen waere duerfte eine Streifrage sein weil darin das Politische eine Rolle spielt. Aber Verrat kann man es nicht nennen. Man kann doch nicht ueber ein junges 21 jaehriges Maedchen in der Form Recht sprechen ohne die naeheren Umstaende zu kennen. "Dini" hat in ihren Verhoer zum Ausdruck gebracht dass sie und "Nol" bei der Sicherheitspolizei auserst korrekt behandelt worden ist. Als man ihr die Frage stellte was sie tun wuerde wenn die LKP nie wiederlos liesse ob sie zu mir nach Den Haag zurueckgehen wuerde antwortete sie: "Dass sie darauf nichts antworten koenne und wolle". Daraufhin war man dann der Ansicht dass sie bis zum Urteil gut und sicher aufgeschlossen werden muesse weil sie sonst zur SIPO Den Haag-Gefaengnis Scheveningen in diesem- fluechten wuerde. Wenn "Dinis"Angaben in diesem Verhoer bei dem LKP auch nicht in allen Teilen stimmte, so konnte ich doch deutlich daraus fuehlen das sie doch ...


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das Vertrauen zu mir nicht Verloren hatte. Als man sie dann fragte was sie denke was der LKP jetzt mit ihr tun werde antwortete sie: Doodschieten"!, betonte aber dabei dass sie in dem Falle um:"Gnade" nicht bitten wuerde.
ich kann an dieser Stelle versichern dass weder "Dini" Gaazenbeek noch der Funker "Nol" van Duinin ihren Verhoeren nicht mehr angegeben haben als Beweise dafuer vorlagen und weiteres  Luegen zwecklos war. wenn sie beide haetten Verrat ihres Verteiles (haetten) wegen fuehren wollten dann haetten sie mir das Vorhandensein und Stand der Sender
a) des Agenten "Edu" d.i. Barmé
b) des Funker "Cor West" d.i.v. Bijsterveld mitteilen koennen und viele andere wertvolle Sachen.

Nach der Festnahme der Kurierin Gaazenbeek durch den LKP-Rotterdam hatte ich aus diesem Agenten-Vorgang nur noch einen Gefangenen naemlich den Funker "Nol" van Duin. Fuer dieses fuehlte ich mich nun -angesichts der Tatsache, dass "Dini", welches gleichzeitig seine Geliebte war, nicht zurueckgekehrt war - besonders verpflichtet.
Mit "Nol" unternahm ich dann dasselbe "Manoever" wie ich es mit dem Agenten "Jos" van Alebeek durchgefuert habe. Beide wurden an ein und demselben Tage als "meine sogenannten V-Leute" getarnt entlassen. Das war die einzige Weg. (Siehe auch unter v. Alebeek auf Bl. 29 dies Berichtes)

Als der Anschlag auf "Rauter" passiert war, erhielt ich von Frank den Auftrag den bei der Aushebung des Senders van Duin in Rotterdam in der Sendewohnung mitfestgenommen "Folkert" Elsinga kurz zu verhoeren, weil dieser mit als Geisel fuer "Rauter" gedacht sei. Sein Sacharbeiter Brueckner war noch nicht zurueck. "Folkert" hatte fuer den LKP und anderen Widerstandsgruppen und getauchten Juden Personsbewijse hergestellt und auch andere Bescheinigungen allert Art. Man konnte seinen Betrieb mit Recht eine "Faelscher-Centrale" nennen denn er verfuegte ueber fast alle Sorten von niederlaendischen und deitschen Formularen mit Siegel. Es wurden in der Sendewohnung hunderte von fertigen, halbfertigen und alten PB's vorgefunden mit Listen und Kontaktadressen und Wohnungen der "Getauchten". Man hatte anhand dieses Materials hunderte von illegal arbeitenden Niederlaendern und getauchten Juden festnehmen koennen. Ich machte Frank den Vorschlag dafuer zu sorgen dass "Folkert" von der Geiselliste gestrichen wuerde da seine Vernehmung "grossen Wert" verspraeche und er nicht in einem Tage vernommen sein koennte. Dieses wurde eingesehen aber doch abgelehnt da die Zahl der geforderten Geisel voll werden musste. Ich verhoerte ...


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... ihn mit einigen schriftlichen Saetzen und schob ihn in letzter Minute zwischen den Transport der "Leichten Faelle" dessen Gefangenen bereits im Gefaenishof angetreten waren. Sasselbe tat ich mit allen meinen Gefangenen die auf der Geiselliste verzeichnet waren und bei denen ick keinen anderen Ausweg fand. So konnte ich von mir aus sagen: "Von meinen Gefangen sind keine fuer "Rauter" erschossenworden". Einige Tage spaeter musste ich dann zu meiner Enttaeuschung feststellen dass man in Amersfoort noch einige ca 3-4 dieser Leute aus dem Transport geholt und doch noch mit erschossen hatte. So auch "Folkert" Elsinga.
Auf derselben "Rauter-Liste" war auch "Adrie" Moerman verzeichnet der mich eigentlich gar nichts anging. Sachbearbeiter war Wilfert, ich setzte mich mit dem Stab in Zwolle - Stubaf. Schreieder - meinem eigentlichen Chef - fernmuendlich in Verbindungund sagte ihm dass "Adrie" ausser seiner Vernehmung durch Wilfert noch von mir vernommen werden muesste da "Adrie" nicht nur im "binnenlandsche Funk" sondern auch im "Englandfunk" gearbeitet habe und dazu wertvolle Angaben machen koennen. Ich hatte auch diesbezueglich vorher mit Wilfert gesprochen der dasselbe bekundete. Wir waren beide entschlossen fuer "Adrie" alles zu tun wozu wir in der Lage waren. So wurde "Adrie" durch Schreieder von der Liste gestrichen. Verhoert habe ich ihn jedoch nicht mehr denn ich hatte kein Interesse daran. Vorwand war nur ein "manoever" zu seiner Sicherheit.
Adrie Moerman und auch seine Kurierin und Mitarbeiter Marijke Elsinga blieben bis zur Kapitulation im Polizeigefaengnis und wurden dann entlassen.
Der Einzige der aus dem Doppelvorgang van Duin-Moerman den Tod fand war "Folkert" Elsinga bei dem mein Versuch misslungen war ohne dass ich es wusste.

Ueber den Verbleib "Dini" Gaazenbeek kann ich nichts sagen. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehoert und muse annehmen dass der LKP-Rotterdam das ausgesprochenen Todesurteil vollstreckt hat. Bei ihrer Entlassung aus Scheveningen hatte sie einige ihrer Sachen wie Ring und Brosche vergessen. Diese Sachen habe ich ihre einige Wochen spaeters Zellengenossin Frau van Daal, geb. Iddekinge aus Garderen-Amersfoort-Boskoop mitgegeben.



Samenvatting

Dit zijn slechts elf pagina's uit het verslag wat Otto Haubrok tijdens zijn verblijf in de gevangenis te Rotterdam geschreven heeft. Het hele verslag bestaat uit ongeveer tweehonderd pagina's, maar deze bladzijden geven toch een redelijk beeld hoe Otto Haubrok zichzelf zag direct na de oorlog. Hoe hij zich gedragen heeft tijdens bijvoorbeeld het Englandspiel wordt hier duidelijk. Hij is natuurlijk niet voor niets tot zeven jaar gevangenisstraf veroordeeld.
Hierboven is een transcriptie van zijn verslag over de zaak Van Duin-Moerman weergegeven. Arie (Nol) van Duin werd uitgepeild door de Wehrmacht en tijdens de overval op zijn zendadres bij de familie Elsinga werden hij, zijn koerierster Didi (Dini) Gaazenbeek en de zoon des huises Folkert Elsinga gearresteerd. Beide ouders werden niet vastgenomen. Van Duin was samen met Bert de Goede en Luke Mulholland door BBO bij Ede gedropt. Haubrok wist wel de schuilnaam van Mulholland "KOOS" maar vermoedde dat hij Mulholland heette. Hij wist niet dat Mulholland tijdens een razzia voor de Arbeitseinsatz opgepakt was en in Duitsland zat.
Hoe wist Haubrok van het bestaan van Bert de Goede? Ook is hij blijkbaar te weten gekomen dat De Goede en Mulholland eerst bij de ouders van Bert onderdoken, terwijl Van Duin bij Didi Gaazenbeek werd ondergebracht. Deze informatie heeft zeker niet op het briefje gestaan dat op Didi of op Arie gevonden werd en wat zij trachtten te vernietigen
Op dit briefje stonden wel enige kontaktadressen en een aantal zenderlokaties. Haubrok wilde de zenders in handen krijgen, maar was niet geinteresseerd in de personen die op deze adressen woonden. Samen met Didi heeft hij de zenders opgehaald. De zender die het huis van Adrie Moerman werd ook gevonden en Haubrok's collega Wilfert die al sinds enige tijd op zoek was naar Moerman bleef in het huis achter met enige soldaten. Twee uur later dook Adrie inderdaad op in gezelschap van zijn koerierster Marijke Elsinga, een zus van Folkert Elsinga. Folkert was lid van de Persoonsbewijs Centrale en vervalse niet alleen PB's maar ook andere Nederlandse en Duitse documenten.
Haubrok was echter van mening dat de zwaar bewapende RVV een groot gevaar vormde voor de Duitse troepen en hun sympatisanten. Hij was bang dat deze onregelde troepen een bloedbad en totale chaos aan zouden kunnen richten.
Hij wilde persé met Bert de Goede in kontakt komen om via hem het gevaar in te kunnen dammen. Ook Arie en Didi waren van mening dat het scenario wat Haubrok schetste wel eens uit zou kunnen komen. Arie schreef Bert een brief over het hoe en wat en Didi bezorgde deze in het bijzijn van Haubrok bij de filiaal van de Bakkerij Van der Sterre in Rotterdam. 's Middags kwam er antwoord, dat weer door Didi en Haubrok opgehaald werd.Er zou een ontmoeting plaats vinden in de woning waar "Koos" ondergedoken had gezeten. Haubrok en zijn collega Bauer wachten echter tervergeefs, Bert kwam niet opdagen. Daarop bood Didi aan naar te Rotterdam te willen reizen om daar te proberen Bert zonder tussenpersoon te spreken te krijgen. Haubrok ging akkoord, maar zij moest zich binnen veertien dagen weer melden of telefonisch kontakt opnemen. Didi werd echter door de LKP opgepakt en ondervraagd. Bert besloot niet op het aanbod in te gaan en Didi werd op een schuiladres ondergebracht waar zij tot het einde van de oorlog is gebleven.
De LKP had via een list Haubrock het verslag van het verhoor en de veroordeling van Didi in handen gespeeld en daaruit bleek dat zij door de LKP geexecuteerd was. Dit vond Haubrok onzin want Didi had niemand verraden en er waren geen slachtoffers gevallen, met uitzonderling van Folkert Elsinga, Adrie Moerman en Marijke Elsinga natuurlijk.
Van Duin werd later net als Jos van Alebeek door Haubrock later vrijgelaten om zogenaamd als dubbelspionnen aan het werk te gaan. Beiden doken natuurlijk meteen onder.
Na de aanslag op Rauter werd er een lijst samengestelt van gevangenen die gexecuteerd zouden worden als vergelding op deze aanslag. Ok deze lijst kwamen ook Folkert Elsinga en Adrie Moerman voor. Folkert werd op het allerlaatste moment toegevoegd aan de groep gevangenen die van Scheveningen naar Amersfoort werden overgebracht, dit waren de zogenaamde lichte gevallen. Helaas is Folkert in Amersfoort alsnog uit deze groep gehaald en vermoord. Adrie Moerman werd op voorspraak van Haubrok en Wilfert door Schreieder van de lijst gehaald, zogenaamd omdat hij nog verhoord moest worden. Haubrok heeft dat echter nooit gedaan en Moerman werd op de dag van de bevrijding uit de gevangenis in Scheveningen vrijgelaten.




             Graag zou ik in kontakt komen met iemand die het hele Haubrok dossier in zijn bezit heeft.
w.mugge@home.nl